MARCOs SPINNEN- UND SCHABENSEITE
  3) Schaben als Futtertiere
 
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3.Teil - Schaben als Futtertiere

Vor der Anschaffung sind folgende Dinge zu bedenken:
♦  Welche Größe müßen die Futtertiere haben?
    → Hat man sowohl große als auch sehr kleine Predatoren zu pflegen,
         kommt man eventuell mit einer Schabenart nicht aus.
♦  Welche Futtermenge wird benötigt?
    → Es ist in der Vorplanung ungefähr zu überschlagen welche
         Futtermenge wöchentlich benötigt wird. Dementsprechend
         groß oder klein sollte der Start-Ansatz Schaben sein.
         Extrem große Zuchten kommen mit nur einer Zuchtbox nicht aus.
♦  Füttert man bodenbewohnende oder arboreal lebende Tiere?  
    → Für Bodenbewohner kommen nicht scheibenlaufende Schaben eher
         in Betracht.
♦  Füttert man schnellere oder eher langsame Räuber?
    → Nicht so schnelle Raubtiere könnten Probleme haben, extrem
         laufschnelle Schaben zu erwischen.
♦  Stärke der Mundwerkzeuge eines Raubtieres?
    → Nicht jedes Tier ist in der Lage, z.B. die außerordentlich harte Schale
         einer Fauchschabe zu knacken. In dem Fall käme eher eine weich-
         schalige Schabenart infrage.
♦  Es sollte keine Art sein, die sich in der Wohnung einnisten kann.



Geeignete Futterschaben

Verglichen mit den gängigen und am meisten verwendeten anderen Futtertieren (also verschiedene Grillen, Heuschrecken, Fliegen) wären Schaben
eigentlich die beßere Wahl. Sie liefert bei einem geringeren Fettgehalt als Heimchen/Grillen ein hohes Maß Energie und ist als qualitativ  deutlich hochwertiger anzusehen. Die große Vogelspinnen z.B. sind mit ausschließlich Heimchen kaum satt zu bekommen, da ist an einer Schabe schon wesentlich mehr dran. Ein Bekannter von mir hat sich interessehalber den Spaß gemacht, eine größere Schabe vs. Heimchen zu wiegen. Bei der Schabe handelte es sich um ein adultes Blaberus craniifer - Männchen.
Erbebnis: Die Schabe hat in etwa soviel gewogen wie 15 (!) ausgewachsene Heimchen.
 
Gekaufte Futtertiere von einem Großhändler werden in aller Regel schlecht und einseitig ernährt. Selbst gezüchtete Futtertiere
hingegen kann und sollte man möglichst vollwertig und abwechslungsreich ernähren, so bekommen die Raubtiere über das Futter alles, was sie an Nährstoffen benötigen, so das es normalerweise kaum zu Mangelerscheinungen kommen kann. Der Grundsatz „Gutes Futter - gesunde Tiere“ erlangt in diesem Zusammenhang seine wortwörtliche Bedeutung.

Außerdem bekommt man mit den unterschiedlichen Schabenarten ein um ein vielfacheres größeres Spektrum an verschiedensten Futtertieren in allen möglichen Größen von unter 2mm bis an die 10cm geboten.
Ein weiterer Vorteil ist das sich Schaben bei relativ geringem Aufwand viel einfacher halten und züchten laßen als Grillen und erst recht Heuschrecken oder Drosophila.

Prinzipiell kann man natürlich jede Schabe verfüttern und es kämen noch andere Arten als weiter unten genannt in Betracht. Wichtig für eine Futterschabe ist, daß sie einfach zu halten und gut nachzuzüchten ist.
Nach einem Umzug bzw. beim Aufbau einer neuen Schabenzucht kann es allerdings bei vielen Arten einige Wochen oder sogar ein paar Monate dauern, bis die Tiere anfangen sich zu vermehren, muß aber nicht.

Ich verwende unterschiedliche Schaben für meine unterschiedlichen Raubtiere, dies sind  verschiedene Spinnen, Skorpione, Raubwanzen und Jungferngeckos. So laßen sich bodenbewohnende Räuber ohne Befähigung an Scheiben zu laufen am besten mit einer ebenfalls nicht scheibenlaufenden Art füttern. Eine Ausnahme ist Phoetalia pallida, die man aufgrund ihrer relativ langsamen Bewegungsweise auch getrost an Bodenbewohner verfüttern kann. Außerdem sind die Schaben stets auf der Suche nach dunklen Verstecken.
Meine kleineren Skorpione und bodenbewohnenden Spinnen bekommen also überwiegend Paratemnopteryx couloniana und Phoetalia pallida, die größeren adulte Blaptica dubia - Männchen oder die einer Blaberus sp., meistens B.craniifer. Für sehr große Spinnen
nach einer Häutung oder vor und nach einer Verpaarung gibt es auch mal ein Fauchschaben-Männchen oder eine adulte Archimandrita tesselata.
Problematisch bei der Verfütterung stark grabender Arten ist, daß die Schaben oft schneller im Substrat verschwinden als einem lieb ist. Von einer Fütterung mit Pinzette abgesehen wäre es eine Lösung, die Schabenlarven in kleinere Behälter zu tun und sie mitsamt diesem in das Becken seines Raubtieres zu geben. Ansonsten hat es eigentlich keinen großen Zweck solche Larven zu verfüttern. Die Adulti dieser grabenden Arten halten sich im Gegensatz zu den Larven auf der Suche nach einem Partner auch viel über der Oberfläche auf und laßen sich somit beßer verfüttern.
Für arboreal, also baumbewohnend lebende Raubtiere fallen die grabenden Arten noch weniger in Betracht. Bei mir sind dies zum größten Teil Vogelspinnen, welche je nach Größe mit Symploce pallens (oder S. macroptera), Phoetalia pallida, Oxyhaloa deusta, Rhyparobia maderae (oder sp. "Gold"), Henschoutedenia flexivitta oder den adulten Männchen der im letzten Abschnitt beschriebenen Arten gefüttert werden.


Folgende Arten haben sich bei mir gut als Futtertiere bewährt:

große Futterschaben:
  • Blaberus craniifer -
    Vorteile: keine Scheibenläufer
                  gute Vermehrungsrate
    Nachteil: vor allem die Larven graben sich sehr schnell ein
  • die großen Fauchschaben -
     Vorteile: langsame Fortbewegung
                   graben sich nicht ein
     Nachteile: langsame Vermehrung
                     sehr hartschalig
     Einschränkung: Scheibenläufer

mittelgroße Futterschaben:
  • Blaptica dubia -
    Vorteile: keine Scheibenläufer
                  sehr gute Vermehrung
                  eher langsame Fortbewegung
                  weichhäutig
    Nachteil: vor allem die Larven graben sich sehr schnell ein
  • Blaberus atropus -
    ⇒ siehe Blaberus craniifer
  • Rhyparobia maderae und Rhyparobia sp. "Gold" -
    Vorteile: gute Vermehrung
                  weichhäutig
                  graben sich nicht ein
    Nachteile: starkes Defensivsekret ⇒ unangenehmer Geruch
                    sehr geschickt im Ausbrechen
                    werden nicht immer und von allen Tieren angenommen
                    reaktionsschnell und schnelle Läufer, laßen sich beim Einfangen gerne fallen
    Einschränkung: Scheibenläufer
  • Henschoutedenia flexivitta → gute und schlechte Attribute vergleichbar mit
     R.maderae, die schlechten jedoch mit weniger starker Ausprägung, was sie
     zu einer guten Alternative gegenüber Rhyparobia sp. macht. Auch ist es bei
     mir bislang nicht vorgekommen das diese Art als Futtertier verschmäht wurde.
     Sie sind scheibenlaufend und als Larven und Adulti im Schnitt etwas kleiner
     als die Rhyparobia - Arten und bilden somit eine weitere Größenkategorie.

kleine Futterschaben:
  • Oxyhaloa deusta
     Vorteile: enorme Vermehrung
                   weichhäutig
                   graben sich nicht ein
     Nachteile: sehr schnelle Fortbewegung
                    Einfangen etwas nervig - laßen sich schnell fallen
     Einschränkungen: Scheibenläufer
                               die L1 sind relativ groß und breit
  • Phoetalia pallida -
    Vorteile: enorme Vermehrung
                 weichhäutig
                 graben sich nicht ein (außer manchmal die kleinen Larven)
                 langsame Fortbewegung
    Nachteile: eigentlich keine
    Einschränkung: Scheibenläufer (dennoch für Bodenbewohner geeignet)
  • Paratemnoteryx couloniana -
    Vorteile: eine der wenigen nicht scheibenlaufenden kleinen Arten
                         (Ausnahme die adulten Männchen)
                  sehr kleine Larven
                  sehr gute Vermehrung
                  graben sich nicht ein
                  sehr weichhäutig
    Nachteil: sehr schnelle Fortbewegung
  • Symploce pallens und Symploce macroptera -
    Vorteile: sehr gute Vermehrung
                  winzig kleine Larven
                  graben sich nicht ein
                  sehr weichhäutig
    Nachteil: extrem schnelle Fortbewegung
    Einschränkung: Scheibenläufer
  • Shelfordella lateralis (sogenannte „Schokoschaben“)
    Vorteile: keine Scheibenläufer
                  weichhäutig
                  graben sich nicht ein
                  gute Vermehrung
    Nachteile: sehr schnelle Fortbewegung
                    Zucht gelingt manchmal nicht
                    (seltene) Fälle von Einnistung in Wohnungen bekannt


Tips:

♦  An den weiblichen Schaben ist zwar mehr dran, dennoch empfiehlt es sich nur die männlichen Tiere zu verfüttern. Hierdurch läuft die Zucht uneingeschränkt weiter, obwohl ihr Tiere entnommen werden, die Zahl der legenden Weibchen bleibt gleich. Es genügt, wenn ein paar Männchen zur Begattung der Weibchen verbleiben (ein Verhältnis von 1:10 würde ich jedoch auch nicht unterschreiten). 
♦  Für die Fütterung sehr kleiner, in substratlosen Behältnissen aufgezogener Spiderlinge (z.B. die Jungtiere verschiedener Kugelspinnen) eignen sich andere Schaben sehr gut. Man kann sich aber kaum an andere Tiere verfüttern, da sie sehr schnell im Substrat verschwinden würden, die Larven mehr als die Adulti.
Und zwar handelt es sich um die kleinen Larven der Pycnoscelus - Arten oder auch die von Blaberidae sp. Kenia. Diese sind ziemlich rundlich, d.h. wenn sie erst auf dem Rücken liegen kommen sie nur schwer aus dieser mißlichen Lage heraus, erst recht wenn sie sich mehr und mehr in dem Spinnennetz verfangen. Der Spiderling hat ein relativ leichtes Spiel und kann eine vergleichsweise große Beute machen. Dies ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil, schnellere oder überdies scheibenlaufende Schaben geraten im Gegensatz dazu häufig nicht in die Netze solche Spinnen und lernen sehr schnell diese zu umgehen.

  Wirklich winziges Futter: Oftmals kann die Fütterung extrem kleiner (Jung-)tiere, beispielsweise Spiderlinge im mm-Bereich (z.B. Cupiennius getazi, Macrothele sp. oder Ischnothele caudata) zu einem Problem werden, weil nämlich kaum oder kein von der Größe geeignetges Futter zur Verfügung steht. Für die Fütterung so winziger Räuber wären selbst die kleinsten Schabenlarven oder kleine Drosophila noch zu groß. Unter den verfügbaren Schabenarten mit Futtertierqualitäten sind dies die Larven von Symploce pallens oder Symploce macroptera, die im ersten Larvenstadium nur etwa 2mm groß werden, die allerkleinsten sogar etwas unter dem. Selbst wenn die Spinnen-Winzlinge diese schon erbeuten könnten wäre bei einer 2-3-täglichen Fütterung von 100 oder mehr Jungspinnen jede noch so gut bestückte Zuchtbox schnell erschöpft.
Hier kann einem die Schabenzucht aber ebenfalls behilflich sein, wenngleich auch mehr indirket. Und zwar laßen sich die Mitbewohner mancher Schaben relativ gut für den Zweck der Fütterung nutzen:
–  Zum einen stehen dem Halter in vielen feucht gehaltenen Schaben-Zuchtboxen Springschwänze zur Verfügung, ohne das man diese extra hinzutun muß, sie entstehen oft sozusagen von alleine in feuchtem Substrat. Manchmal sammeln sich größere Mengen Springschwänze in den Resten des Inhalts einer Futterschale. Hält man seine zu versorgenden Jungtiere zusammen in der Gruppe kann man den Inhalt dieser Futterschale gut und schnell in das Behältnis der Jungtiere geben, das einzige Manko hierbei ist das durch die Futterreste Schimmel entstehen kann. Deswegen sollte man es am Tag nach der Fütterung wieder aus dem Behältnis entfernen.
Um ein geraumes zeitaufwändiger ist die Fütterung einzeln gehaltener Jungtiere. Das Einfangen einzelner Springschwänze ist wirklich keine schöne Tätigkeit und dauert sehr lange, da man seine Jungtiere häufiger versorgen muß geht einem dies schnell auf die Nerven.
Am besten fängt man die Springschwänze mit einer kleinen Plastikkappe, mit deren Hilfe sie sich in das Behältnis der Jungtiere befördern laßen.
–  Zum anderen bietet sich durch die Mitbewohner der Fauchschaben eine weitere Möglichkeit, ich meine hiermit die Milben, die sich auf allen Fauchschaben befinden. Diese sind rundlich mit einem Durchmeßer von maximal 1mm und laßen sich mit ein wenig Übung in Gruppen von den Fauchschaben bekommen. Am besten benutzt man hierzu auch die Hilfe einer kleinen Plastikkappe. Bei mir haben sich zwei Methoden durchgesetzt, entweder schüttelt man eine mittelgroße Fauchschabe in einem Plastikdöschen, oder man fixiert eine größere Fauchschabe mit den Fingern und schnipst mit einem Finger der anderen Hand von oben auf die Fauchschaben, um die sich auf deren unterer Seite, vor allem zwischen den Beingelenken und um die Halsregion, aufhaltenden Milben in die oben genannte Plastikkappe zu befördern. Beide Methoden sind sicherlich nicht sonderlich angenehm für die Fauchschaben, sie nehmen dabei aber in keiner Weise irgendeinen körperlichen Schaden. Durchschnittlich bekommt man pro Fauchschabe eine Ausbeute von etwa 5-10 Milben, an denen deutlich mehr dran ist an an den Springschwänzen. Zwar hatte ich zuerst Bedenken das die Milben nicht gut angenommen werden oder sich gar zu wehrhaft zeigen könnten, das war aber zum Glück nicht der Fall.
Mit beiden genannten Kleinsttieren habe ich schon häufig Aufzuchterfolge winzig kleiner Jungspinnen erzielen können.
♦  Richtig große Futterschaben: In manchen Fällen sind sehr hungrige Tiere mit „Standardfutter“ kaum satt zu bekommen, z.B. ausgehungerte Wildfänge. Ein anderes Beispiel aus meinem Alltag wären sehr große Vogelspinnen direkt nach einer Häutung oder vor/nach einer Verpaarung. Diese bekommen eine oder bei Bedarf auch mehrere Schaben einer anderen Größenordnung, hier finden meine schwersten Schaben Verwendung als Futtertier bzw. aus eben genanntem Grund nur die Männchen dieser Arten. An einer adulten B.craniifer ist schon ordentlich was dran, soll das Futtertier noch größer sein kommen die großen Fauchschaben, Archimandrita tesselata oder auch Byrsothria rothi zum Einsatz.



(Text & Copyright 2010 by Marco Wilde)

 
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